Beitrag von Gelbweste Birgit
Wenn man über den Konflikt in der Ukraine nachdenkt, sind die Diskussionen oft geprägt von militärischen Strategien, Sanktionen oder komplizierten politischen Plänen. Was aber wäre, wenn der Fokus stärker auf Vertrauen, Austausch und Kooperation gelegt würde? Mein Vorschlag ist ein sogenannter „Soft-Peace-Ansatz“: ein pragmatischer Weg, der auf zivilgesellschaftliche Verbindungen und gemeinsame Interessen setzt.
Der Kern dieses Ansatzes ist einfach: Beide Seiten müssen zunächst das Ende der kriegerischen Auseinandersetzung vereinbaren. Ohne diese Basis ist jede andere Maßnahme nur Symbolik. Doch Frieden bedeutet mehr als das Schweigen der Waffen. Er erfordert sichtbare Schritte, die Vertrauen schaffen.
Ein zentraler Punkt ist die Anerkennung von Rechten und kultureller Freiheit. In den bislang umstrittenen Gebieten sollten die Menschen ihre Meinungen frei äußern können, ohne Angst vor Repression. An ukrainischen Schulen könnte Russisch unterrichtet werden und an russischen Schulen Ukrainisch – eine einfache, aber wirksame Maßnahme, um gegenseitige Anerkennung und Verständigung zu fördern.
Wirtschaft und Austausch spielen ebenfalls eine Schlüsselrolle. Ein russisch-ukrainisches Freihandelsabkommen könnte wirtschaftliche Verflechtungen schaffen, die Konfliktkosten für beide Seiten erhöhen – im positiven Sinne: Wer miteinander wirtschaftlich verbunden ist, hat ein Interesse daran, Konflikte zu vermeiden. Schüler- und Arbeitnehmeraustausch sowie gemeinsame kulturelle Projekte können langfristig zudem dazu beitragen, ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln.
Zur Sicherheit könnten entmilitarisierte Zonen eingerichtet werden, klar definiert und international überwacht. Im nächsten Schritt könnte ein freier Grenzverkehr angestrebt werden, um das Zusammenwachsen der Bevölkerung zu fördern, ohne die Souveränität der Staaten zu gefährden.
Natürlich gibt es Herausforderungen: Vertrauen aufzubauen, Sicherheitsrisiken zu managen und die nationale Identität zu respektieren, sind komplexe Aufgaben. Aber gerade die langfristigen, zivilgesellschaftlichen Maßnahmen können Frieden nachhaltig verankern, weit über militärische oder politische Vereinbarungen hinaus.
Dieser Soft-Peace-Ansatz könnte mMn ein weitaus bevölkerungsverträglicheres Instrument sein, als ein „20-Punkte-Plan“, der sich in erster Linie an Macht- und Wirtschaftsinteressen orientiert.
Der Soft-Peace-Ansatz ist kein Allheilmittel und er funktioniert nur, wenn beide Seiten bereit sind, konkrete Schritte für Verständigung, Austausch und Kooperation zu gehen. Er zeigt jedoch, dass Frieden nicht nur durch Macht oder Druck entstehen kann – sondern durch die Menschen selbst, die miteinander leben, lernen und arbeiten.
Aktuell boont die deutsche Rüstungsindustrie. Sie schiebt die Konjunktur in Deutschland an, was den tatsächlichen Zustand unserer Wirtschaft verschleiert. Der Gastronom unseres Lieblingsrestaurants hat nichts von diesem vermeintlichen konjunkturellen Aufschwung, genauso wenig wie der Friseur, der kleine Supermarkt, der Tante-Emma-Laden, der Änderungsschneider, der Imbiss, der Kiosk und alle anderen kleinen Einzelunternehmer.
Es ist in unser aller Interesse, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Was aber ist die Wahrheit? Wie wollen wir folgende Fragen beantworten?
- Wollen wir Frieden in Europa oder wollen wir der Mär vom Schutz unseres Landes durch Krieg in der Ukraine folgen??
- Wollen wir kleine Unternehmen und daran hängende Arbeitsplätze vor Ort erhalten oder wollen wir die Rüstungsindustrie samt ihrer Aktionäre sponsorn?
- Wollen wir weiter nur zuschauen und Phrasen dreschen oder wollen wir uns aktiv für einen wirklichen Frieden einsetzen?
- Wollen wir die Leben von Soldaten und Zivilpersonen schützen oder wollen wir weiter zusehen, wie Leben für politische Scharmützel verheizt werden?
Wir Kieler Gelbwesten sind am 3. Januar 2026 wieder für den Frieden auf der Straße. Schließt euch an. Wir treffen uns um 15 Uhr auf dem Exwezierplatz in Kiel. Seid dabei!
